Historisches

(aus: Das Lippeamt Boke, Herausgeber: Amtsverwaltung Salzkotten-Boke, 1968)

Das Rittergut Winkhausen

Das Rittergut Winkhausen ist ein Teil aus der Erbmasse der Lippegrafschaft Boke. Es gehörte zum Grundbesitz des neuen Hauses derer von Hörde und fiel an die adelige Familie von Heiden. Gottfried von Heiden zu Schönrath im Herzogtum Berg fasste den Plan, als Ersatz für Boke auf dem Welperhof und dem angrenzenden Schultenhof zu Winkhausen einen Adelssitz zu errichten, der von allen Lasten frei sein und die Grundlage für seine Aufnahme in die Ritterschaft des Landesfürstentums Paderborn bilden sollte. Am 5. April 1657 erteilte ihm Bischof Dietrich Adolf (1650 - 1661) seine Genehmigung. Doch war dieses Unternehmen von vornherein zweifelhaft, da Bischof Dietrich von Paderborn am 10. März 1590 zugunsten von Geseke auf alles Recht verzichtet hatte, welches das Stift Paderborn und dessen Herrschaft Boke ab dem Welpershof zu Widinchusen im Amt Boke hatte. Die Äbtissin des Stiftes Geseke als Grundherrin erhob Einspruch. So sah Gottfried von Heiden keine Möglichkeit zum weiteren Ausbau des geplanten Rittersitzes als einer hinreichenden Basis für eine Adelsresidenz. Nach A. Fahne erhielt Gottfried von Heiden dann am 7. Mai 1662 die Erlaubnis, auf dem Iseken- oder Richterhof zu Thüle seinen neuen Adelssitz aufzubauen. Aber auch in Thüle kam sein Vorhaben nicht zur Ausführung. Gottfrieds Residenz blieb Schönrath. Den Schlussstrich unter diese Entwicklung setzte sein Sohn Dietrich Georg von Heiden, der im Jahr 1671 seinen Anteil an den Boker Gütern unter Einschluss des Gutes Winkhausen "durch Vergleich" an den Freiherrn Ferdinand von Fürstenberg-Herdingen übertrug, der im Jahre 1683 damit belehnt und am 17. Oktober 1684 im Rittersaal zu Paderborn aufgeschworen wurde.

Die Rentei

Da die Familie von Fürstenberg keinen Herrensitz brauchte, aber die zentrale Lage des Gutshofes für ihren umfangreichen Grundbesitz in der ehemaligen Lippegrafschaft erkannte, ließ sie Winkhausen zum Oberhof ausbauen, der zuerst als Rezeptor die Geldabgaben der eigenbehörigen Bauernhöfe einzog und später den Charakter einer Rentei einnahm. Einer der bekanntesten Rentmeister auf Winkhausen war Johann Heinrich Wiekenberg aus Celle in Hannover. Er stellte am 29. Januar 1803 eine "Tabelle über die Natur, Lage, Größe und den reinen Ertrag des steuerfreien Grundeigentums des adeligen Hauses Winkhausen in der Commune Boke" auf. Darin steht zu lesen: "Der Rittersitz Winkhausen ist teils Lehen, teils Allodialgut, hat schlechtes Sandland, saure Wiesen, die selten zweifachen Grasschnitt abwerfen und bei Überschwemmung nichts ergeben. Der Wert des Gutes beträgt etwa 54.000 bis 55.000 Taler."
Eine ausführliche Übersicht über den Grundbesitz des Rittergutes gibt Rentmeister Wiekenberg am 3. April 1808. Besitzer: Reichsfreiherr Friedrich Leopold von Fürstenberg. Äcker: Auf den Flurbezirken Bökerkamp, Berlake, Hirsfeld, Eitelfeld, Isekenfeld, Isekenrodt und in der Bentfelder Mark: 77 Morgen. Gärten: Beim Hofe, im Barbruch und auf der Wittenburg zu Bentfeld: 25 Morgen. Wiesen: Im Bökermersch, Barbruch, Drietenbreok, Graenwiese, Schwellermersch, an der Heder und in Bentfeld: 322 Morgen. Waldung: Der Holzhof im Sundern: 7 Morgen. Gebäude: Haus Winkhausen hat nur Wirtschaftsgebäude und eine Wohnung für den Ökonom. Die Summe des Reinertrages wird mit 2.299 Franken angegeben. Davon waren trotz der Steuerfreiheit ein Achtel = 287 Franken an die französische Besatzungsmacht abzuführen.
Die nächste Aufstellung über Winkhausen ist datiert vom 1. Mai 1816. Hier fügt Rentmeister Wiekenberg noch hinzu, dass Haus Winkhausen die Gerechtsame besitzt, eine Schafherde von 300 und eine von 500 auf der Feldmark von Thüle weiden zu lassen.
Die Belehnung Friedrich Leopolds von Fürstenberg mit der Grafschaft Boke im Jahr 1825 gab dem Rentmeister den Anlass, ein Gesamtverzeichnis aller der Familie von Fürstenberg eigenbehörigen Höfe und Kotten anzulegen, die damals dem Rentamt Winkhausen zugeordnet waren. Diese Aufstellung umfasst Colonate in Verlar, Hörste, Öchtringhausen, Garfeln, Schwelle, Winkhausen, Dedinghausen, Mettinghausen, Rebbeke, Mantinghausen, Anreppen, Bentfeld, Thüle und Heddinghausen.

Der Gutshof

Als mit der Markenteilung und der Ablösung der bäuerlichen Dienste und Abgaben der Lippebauer nach der persönlichen Freiheit (1810) auch die uneingeschränkte Verfügungsgewalt über seinen Privatbesitz erlangt hatte, verlor das Rittergut seine beherrschende Stellung im Lipperaum. Der Rentmeister wurde zum Gutsaufseher, der im Dienste der Familie von Fürstenberg jetzt nur noch für eine rentable Bewirtschaftung des immer noch ansehnlichen Gutes verantwortlich zeichnet. Der zeitige Besitzstand an Acker, Wiesen und Forst umfasst rund 150 ha., die sich auf die Katastergemeinden Boke, Schwelle, Thüle und Verne erstrecken. Im Jahr 1947 wurde eine neue Eigentumsordnung vorgenommen. Maria- Louise, Freifrau von Pfetten-Arnbach in München, geb. Freiin von Fürstenberg, erhielt den Hof, 12,85 ha Forstgrund, 27,7 ha Wiese und Weide und 66,85 ha Ackerland, das parzelliert an heimische Bauern verpachtet ist. Ihre Schwester Christina, Freiin von Fürstenberg, wurde Eigentümerin des in der Gemarkung Thüle liegenden 29,83 ha großen Grundbesitzes, der ebenfalls in Parzellenverpachtung steht. Eng verbunden mit Haus Winkhausen ist der Name Knoop. Im Jahre 1912 wurde Heinrich Knoop, der vorher den Gutsbetrieb Stirpe mit seinen 85 ha betreut hatte, nach Winkhausen berufen, wo ihm nach erfolgreicher Tätigkeit aus Anlass des silbernen Dienstjubiläums der Titel eines Gutsverwalters verliehen wurde. Seine Nachfolge trat im Jahr 1947 sein Sohn Karl an, der seit 1962 als Familienpächter mit 21 ha Hofpacht und freier Benutzung des Hauses und der Wirtschaftsgebäude in einem festen Vertrag stand und außer der Bewirtschaftung seines bis 1980 festgelegten Pachtbetriebes noch die üblichen Pflichten eines Guts- und Forstaufsehers wahrzunehmen hatte.

(aus: Das Lippeamt Boke, Herausgeber: Amtsverwaltung Salzkotten-Boke, 1968)

Gut Winkhausen heute

Heute wohnen auf dem Anwesen zwei Familien, die Haus und Gartenanlagen liebevoll pflegen. Das ehemalige Stallgebäude ist seit den 1990er Jahren Sitz der Unternehmensberatung Klaus Lurse Personal + Management AG (www.lurse.de). Die Interessengemeinschaft "Kultur Gut Winkhausen" unter der Leitung von Birgit Lurse nutzt die außergewöhnliche Atmosphäre der Zehntscheune nun für regelmäßige Kulturveranstaltungen.

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